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Vereinsgeschichte

Am 2. Juni 1958 wurde der Bogensport-Club Frankfurt durch Werner und Aenna Arndt, Karl von Loesch, Karl Hermann Roloff, Gertrud Luksch, Tassilo von Winterfeld, Dr. Ernst Lieber und Jürgen Fries – ursprünglich als ZEN-Bogensportclub Frankfurt – in Frankfurt am Main gegründet. [ACHT? ODER SIEBEN]. Als erster hessischer Bogensportverein wurde dieser noch im selben Jahr als neues Mitglied in den Hessischen Schützenverband e.V. (HSV) aufgenommen, welcher damit – neben den klassischen Schießsportarten – um die neue Disziplin des Bogenschießens bereichert wurde. Im Jahr 1964 erfolgte die Aufnahme des Vereins in den Landessportbund Hessen e.V. (LSB Hessen).

In den über 60 Jahren seit der Gründung des Vereins gab es turbulente, erfolgreiche und tragische Zeiten.

GRÜNDUNGSMITGLIEDER

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Vereinslogo

Das Zeichen des Vereins der “stilisierte Bogenschütze” ist ein Entwurf des expressionistischen Künstlers, Gründungsmitglieds und ehemaligen Vereinsvorsitzenden Werner Arndt (1918-1990).

Original
Entwurf

Die AnfangsJahre

Eigentlich begann die Geschichte des Bogensport-Clubs Frankfurt bereits Anfang der 1950er Jahre, als die Schullehrerin Aenne Arndt ihrem Mann Werner zu Weihnachten einen Bogen schenkte ohne auch nur eine Ahnung über die Folgen ihres Geschenks zu haben. Die Faszination des Bogensports erfaßte den Künstler Werner Arndt nämlich so sehr, daß er einen Großteil seiner Zeit dafür aufbrachte. Ausgerüstet mit aus heutiger Sicht einfachen einteiligen Holzbögen trainierten Werner Arndt, seine Frau Aenne und Tassilo von Winterfeld anfangs auf den Sportplätzen des SC 1880 an der Adickesallee.  Obwohl seinerzeit noch niemand an die Gründung eines Bogensportclubs dachte, vertraten Aenne und Werner Arndt die Bundesrepublik Deutschland bereits als freie Bogensportler im Ausland; so zum Beispiel 1954[? erstes Turnier 1956] beim Turnier des Goldenen Bogen von Basel.

Oskar Kessels
Deutsche Meisterschaften 1959 in Stuttgart
Deutsche Meisterschaften 1959 in Stuttgart

Bei diesem Event in der Schweiz machten das Ehepaar Arndt die Bekanntschaft mit Oskar Kessels, dem damaligen Präsidenten der FITA (Fédération Internationale de Tir à l’Arc). Scheinbar trafen hier verwandte Geister aufeinander; denn es ergab sich ein reger Kontakt. Als Oscar Kessels dann anläßlich einer in Frankfurt abgehaltenen Public Relations Veranstaltung vor versammelter Presse und Publikum auf 90 Meter einen Luftballon zerschoß, war dies wohl endgültig der Anstoss zur Gründung eines eigenen Vereins. Und so schrieb man das Jahr 1958 als die acht Vereinsgründer den Bogensport-Club Frankfurt – zunächst als ZEN-Bogensportclub – ins Leben riefen.

Unterschriften der Gründer auf der Originalsatzung des BSC 1959
aus: Begleitheft zum Internationalen FITA-Turnier 1964

Dank des eines Entgegenkommens der Stadt Frankfurt, konnte man als die Mitgliederzahl zu steigen begann, im Innenraum der Radrennbahn im Waldstadion trainieren. Durch den Umbau des Innenraums zu einer Eisbahn war diese Übungsmöglichkeit allerdings bald vertan und man bekam als Ersatz die Liegewiese im Waldstadion zugewiesen. Da das Training hier aber auch nur möglich war, wenn die Liegewiese nicht von den Benutzern des Stadionbads in Anspruch genommen wurde, sah sich der damalige Vorstand veranlaßt, intensiv mit der Stadionverwaltung über die Erstellung eines eigenen Übungsgeländes zu verhandeln.

Waldstadion

Dort, wo sich nach alten Karten eine Waldbühne befand, rollten dann eines Tages die Bulldozer, um eine neue Freifläche für den BSC zu schaffen. Die mittlerweile 20 Mitglieder richteten in aufreibender Eigenarbeit das neue Gelände beim Waldstadion so eifrig her, daß noch im Frühsommer 1960 auf dem neuen, eigenen Platz ein kleines Eröffnungsturnier stattfinden konnte. So klein dieses Turnier auch war, so groß waren die erzielten Leistungen. Der Belgier Rene Boussu schoß einen FITA-Weltrekord, Frau Aenne Arndt einen Deutschen Rekord und Dr. Otto Klemm erlangte als erster Deutscher den 1000er FITA-Stern.

Nachdem sich die Vereinsfamilie nach erfolgter Pressearbeit auf mittlerweile 30 Mitgieder erhöht hatte, gewann der Plan, auf dem Übungsgelände ein Vereinsheim zu errichten sowie Wasser und Licht zu installieren, immer mehr an Dringlichkeit. Durch Spenden und vor allem Eigeninitiative wurde 1962 ein eigenes Clubhaus gebaut, das den Mitgliedern einen Ort der Zusammenkunft unter Gleichgesinnten bot und mit Kamin, Küche und Bar auch fürstlich ausgestattet war. Letztlich wurde der Bogensportplatz 1982 durch einen Unterstand ergänzt, der es ermöglichte, auch bei schlechter Witterungslage, insbesondere im Winter, das Training fortzusetzen.

Der Bogensport-Club Frankfurt hatte für 42 Jahre seine Heimat in der Bogensportanlage im Frankfurter Waldstadion. In all diesen Jahren wurde die Anlage durch die Mitglieder des Bogensport-Club Frankfurt, abgesehen einiger größerer Arbeiten, in Eigeninitiative ausgebaut und instandgehalten. Ohne diese hohe Eigenleistung und die im Laufe der Jahre entstandenen Gebäude und Nebengebäude wäre das Gelände bei weitem nicht so nutzbar gewesen. Das Bogensportgelände bot Trainingsmöglichkeiten auf insgesamt 25 Scheiben. Dazu zählten neben den seit 1960 bestehenden 8 Ständen bis 90 Meter, 5 weitere Stände bis 30 Meter sowie 5 Ständen auf 25 Meter aus dem geschlossenen Unterstand. Ausserdem wurden für die Disziplin Feldbogen weitere 7 Feldscheiben integriert. Durch geschickte Planung war es möglich, gleichzeitig und ohne gegenseitige Gefährdung oder Behinderung auf alle 25 Scheiben zu trainieren.

Leider musste der BSC Frankfurt den Bogensportplatz im Waldstadion aufgrund des Neubaus der Großarena für die Fußball-Weltmeisterschaft und der Expansion der dortigen Golfanlage im Jahr 2002 aufgeben.

Die EhrenMitglieder des BSC

Oskar KesselsBelgien
H. SchindlerSchweiz
Giorgio AttlingerSchweiz
Werner ArndtDeutschland; BSC
Anne ArndtDeutschland; BSC
Gertrud Lenhart geb. LukschDeutschland; BSC
Lothar SchmauchDeutschland; BSC

Frankfurter Amazonen

Auf die Leistungen der Frauen unter den vielen männlichen Mitgliedern des Bogensport-Clubs Frankfurt muß gesondert eingegangen werden. Denn so ungern sie anfangs beim Bogensport mitmachten, so schnell wurden die Damen des Vereins zu dessen sportlichen Leistungsträgern, weshalb sie von der Presse auch öfters als die Amazonen betitelt wurden. In den 1960er Jahren dominierten die Damen unter Führung von Aenne Arndt die deutsche Bogensport welt. 1963 gelang es Monika Ikier in Mailand als erste deutsche Dame den 1000er FITA-Stern zu erringen. Und auch der erste 1100er FITA-Stern wurde von einem Mitglied des Bogensport-Club Frankfurt geschossen; nämlich von Maria Urban, welche im Olympiajahr 1976 für den BC Babenhausen die Bundesrepublik Deutschland bei den Olympischen Sommerspielen in Montreal vertrat. In den Jahren 1959-1975 wurden unsere Damen mehrmals Deutsche Meister in der Einzel- sowie in der Mannschaftswertung und erzielten dutzende Deutsche Rekorde. 1968 gab es zudem einen Europarekord, ab 1976 dann regelmäßig Silber und Bronze bei Deutschen Meisterschaften.  In den 80er Jahren wurde Christa Engelhardt wegen ihrer guten Leistungen in den Leistungskader des Deutschen Schützenbunds berufen und zusammen mit anderen Bogensportlerinnen und Bogensportler als Vertreter der Bundesrepublik Deutschland zur Weltmeisterschaft nach Italien entsandt.

 

Damals schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung: “Die beständigsten Rekord- und Titeljäger in Frankfurt, die Bogensportler, stehen immer ein wenig am Rande des großen Interesses. Seit Jahren sorgen sie für eine Fülle von Deutschen Meistertiteln und beachtlichen Rekorden, die sie in aller Stille erzielen.”

Paving the Way

Mit Fug und Recht kann behauptet werden, daß der Bogensport-Club Frankfurt Pionierarbeit im Aufbau des Bogensports in Hessen und über die Landesgrenzen hinaus geleistet hat. Der BSC-Frankfurt war der erste hessische und fünfte gesamtdeutsche Bogensportverein. Von ihm gingen entscheidende Impulse aus, die den entstehenden Bogensport mitgeprägt haben und die dazu führten, daß weitere Bogensportvereine entstanden oder sich Bogensportabteilungen bei bestehenden Schützenvereinen bildeten. Es ist nicht übertrieben, wenn man den Bogensport-Club Frankfurt als Mutter vieler hessischer Bogensportvereine tituliert. Durch seine Signalwirkung aber auch durch ehemalige Vereinsmitglieder, die in anderen Städten neue Vereine gründeten, entstanden aus dem ursprünglichen Frankfurter Club mit 30 Mitgliedern zwischenzeitlich 38 Vereine mit über 2000 aktiven Bogensportlern.

1964 wagte der Bogensport-Club Frankfurt außerdem eine Neuheit. Das Ausrichten eines Groß­turniers. Als erster Verein in der Bundesrepublik Deutschland wurde ein Europaturnier mit 260 Teil­nehmern aus 8 Nationen organisiert. Ein großartiges Erlebnis! Von 1976 an wurde diese Art von Großturnier durch den Bogensport-Club Frankfurt in 2 jährigem Rhythmus durchgeführt. Den Höhepunkt bildete das Internationale Frankfurter FITA-Turnier 1984 mit 54 Scheiben. An einem windarmen Sommertag mit strahlend blauen Himmel fielen die FITA-Sterne reihenweise vom Himmel. Soviel Sterne wie an diesem Tag wurden wohl auf keinem Turnier in der Bundesrepublik mehr erzielt.

Mit der Sperrung der Frankfurter Sportplätze wegen des Reaktorunfalls in der Ukraine 1986 begann leider der Anfang vom Ende der Frankfurter Großturniere. Denn man war gezwungen, das sich schon in der letzten Vorbereitungsphase befindliche FITA-Turnier abzusagen. Von dieser Absage hat man sich nie mehr erholen können. Die FITA-Turniere in den Jahren nach Tschernobyl erreichten nie mehr die Teilnehmerzahlen von 1984. [Dabei mag das reiche Angebot an FITA-Turnieren auch eine mit entscheidende Rolle gespielt haben, da man an fast jedem Wochenende im Umkreis von 200 Kilometern irgendwo in der Bundesrepublik oder den angrenzenden Beneluxländern an einem FITA-Turnier teilnehmen konnte.]

Noch ein letzter Meilenstein im Bogensport ist auf eine Initiative des BSC Frankfurt zurückzuführen: Die Hallenmeisterschaften der Bogensportler während der Wintermona­te. Zum ersten Mal wurde in der Bundesrepublik eine Hallenmeisterschaft am 28. Februar und am 1. März 1970 durchgeführt und zwar in der Wintersporthalle im Waldstadion. Inzwischen ist das Hallenschießen beim Bogensport offiziell bis zur Deutschen Hallenmeisterschaft gediehen und schon lange nicht mehr wegzudenken.

Die 1. Vorsitzenden des BSC

Werner Arndt1958-1966; 1968-1971
Heinrich Maul1966-1968
Klaus Kalthoff1971-1974
Hans-Joachim Freise1974-1978
Paul G. Wilhelm1978-1986
Anneliese Moxter1987-1998
Horst Ring1999-2006
Claus Moxter2006-
Uwe Donandt2021-

NIeder Neubeginn

Nachdem der BSC Frankfurt sein Übungsgelände im Frankfurter Waldstadion verloren hatte, stand der Verein ohne Heimat fast vor dem Aus. Erst nach langer Suche und durch die Hilfe der Öffentlichkeit konnte ein neuer Bogenplatz bei der ehemaligen SG Nied im gleichnamigen Frankfurter Stadtteil gefunden und im Jahr 2004 eingeweiht werden. Abermals wurde das Gelände durch die Mitglieder unter enormen Anstrengungen für den Bogensport nutzbar gemacht. Nach nun gut zwei Jahrzehnten ist die Anlage wieder mit Unterstand und Clubcontainer ausgestattet und bietet vielen Bogensportlern im Rhein-Main-Gebiet die Möglichkeit, ihr Hobby und ihre Leidenschaft auszuleben.

Heute ist der BSC-Frankfurt breit aufgestellt, da von seinen ca. 130 Mitgliedern nicht mehr nur Olympisch-Recurve, sondern alle Bogenklassen, vom Lang- bis zum Compoundbogen, geschossen werden. Zwar steht nun eher der sportliche Ausgleich und die Vermittlung des Bogensports an Interessierte im Mittelpunkt des Vereinslebens; doch auch das Kompetative ist nicht ganz in Vergessenheit geraten. 2018 konnte Alexander Dreichner an die vergangenen Erfolge anknüpfen, als er hessischer Landesmeister in der Klasse Recurve Junioren wurde.